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Nach Heirat: Wenn "Herr Schulte" jetzt "Herr Meier" heißt

23.Juli2010

Nach Heirat: Wenn "Herr Schulte" jetzt "Herr Meier" heißt


Agnes Jarosch Chefredakteurin

Liebe Leser,

morgen heiratetein Geschäftspartner von mir.

„Na und?“ werden Sie jetzt vielleicht fragen. „Warum ist das eine Meldung im Knigge-Ticker wert?“

Es ist eine Meldung wert, weil er der erste Mann in meinem Bekanntenkreis ist, der bei der Eheschließung den Familiennamen seiner Frau annimmt.Ein besonderer Moment.

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Aktuelle Info:
Unsicher, wie Sie Ehepaare mit unterschiedlichen Namen, Patchwork-Familien und andere "schwierige Fälle" anschreiben oder vorstellen sollen? Klicken Sie hier, um die moderne Lösung für diese Probleme kennenzulernen - kostenlos.

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Herzlichen Dank für die Zuschriften zum Thema "Tattoo". Die Auswertungen der Leserstimmen finden Sie am Ende Ihres Knigge-Tickers.

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Sofort merke ich, wie mein liberaler Verstand und mein konservativ geprägtes Bauchgefühl sich ein Wortgefecht liefern.

Bauch: „Das ist aber komisch.“

Verstand: „Blödsinn, Bauch. Heutzutage ist es eine rationale Entscheidung zwischen zwei gleichberechtigten Partnern, welcher Familienname weitergeführt werden soll.

Bauch: „Das hat es bisher aber nicht gegeben.“

Verstand: „Genau. Deswegenmuss jemandden Anfang machen.“

Bauch: „Warum? Ich mag die Traditionen. Da weiß ich, woran ich bin.“

Verstand: „Vor 100 Jahren besagte die Tradition, dass Frauen nicht studieren dürfen. Hätte sich nichts geändert, würden wir beide heute Deckchen häkeln statt Newsletter zu schreiben. WürdeDir das gefallen?!“

Bauch:Nein.“

Verstand: „Na siehst Du!“

Bauch: „Na gut, Verstand. Du hast gewonnen. Ausnahmsweise.“

Das Deutsche Namensrecht und seine Tücken

Mein Bauch hat nicht ganz Unrecht mit seiner Traditionsliebe. Daskomplizierte deutsche Namensrecht und die neuen sogenannten „Patchwork-Lebensstile“ stellen für uns ein paar neue Fettnäpfchen auf. Als ob es davon nicht schon genug gäbe!

  • Es gibt Paare, die trotz Heirat ihren Namen beibehalten, statt ihn zu ändern: FrauMeier bleibt FrauMeier, HerrSchulte bleibt HerrSchulte.

  • Manchmal wählt ein Partner einen Doppelnamen:
    HerrSchulte bleibt Herr Schulte, aus Frau Meier wird FrauSchulte-Meier.

  • Kommt es zur Scheidung, nehmen einige Frauen ihren Mädchennamen wieder an:
    Aus FrauSchulte wird wieder FrauMeier.

  • Heiratet jemand zum zweiten Mal und hat ein Kind aus erster Ehe, kann es sein, dass alle drei Mitglieder der neuen Lebensgemeinschaft unterschiedliche Nachnamen haben:
    Das Kind heißt z.B. „Schulte“ (wie der leiblicheVater), die Mutter „Meier“ (Mädchenname) und der zweite Ehemann„Berger“.

Für die Umgangsformen bedeutet das, dass der Familienname uns nicht zwangsläufig Auskunft darüber gibt,ob ein Paar verheiratet oder unverheiratet ist. Es bedeutet außerdem, dass wirdie Ehefrau von Herrn Schulte nicht mehr – wie früher - einfach mit Frau Schulte ansprechen können. Wir dürfen davon ausgehen, dass es Frau Meier nicht Recht ist, wenn wir sie falsch mit „Frau Schulte“ansprechen.

Wie schreiben Sie eine Patchwork-Familie richtig an?

Stellen Sie sich vor, Sie möchten dieFamilieMeier-Berger-Schulte zu einem Fest einladen. Wie würdedie korrekte Anschrift aussehen?

Hier die Musterlösung:

Frau Gisela Meier
Herrn Martin Berger
Benjamin Schulte
Musterstraße 3
55333 Musterstadt

Weil Sie dieAnrede „Herr“ in der dritten Zeile weglassen, wird deutlich, dass es sich bei der dritten Person um ein Kind handelt.

Wenn Männer ihren Mädchennamen wieder annehmen

Spannend finde ich persönlich die Frage, wie man es ausdrückt, wenn Herr Meier ("geborener Schulte") nach Scheidung wieder seinen alten Familiennamen annimmt. Heißt es dann, dass er seinen "Mädchen-" oder gar seinen"Jungennamen" wieder annimmt?

Liebe Leser, die Umgangsformen werden nicht einfacher! Aber zum Glück gibt es Hilfe!

Ich habe einen kostenlosen Ratgeber für Sie zusammengestellt: Den Spezialreport "Knigge 2010 - was ist neu - was ist veraltet?" Darin finden Sie die neuesten Etikette-Regeln für moderne Kommunikation. Erfahren Sie zum Beispiel, was Sie auf einer Hochzeit tun und lassen sollten:

- Was Damen auf einer Hochzeit tragen dürfen - und was nicht - mehr Info

- Wann Sie das Handy ausschalten müssen - und welche Ausnahmen es gibt - mehr Info

- Hochzeitsessen: Welches Besteck wofür? Wer redet wann? - mehr Info

- Stilvoll gratulieren und schenken, Etikette-gemäß danken - mehr Info

- Feiern: Small Talk-Tipps für Hochzeitsgäste, Umgang mit Alkohol (und mit Alkoholisierten) - mehr Info

Mit herzlichen Grüßen
Ihre

Agnes Anna Jarosch

PS:Hier sehen Sie wie versprochen das Stimmungsbild der Leserbefragung zum Thema "Tattoo".Die Veröffentlichunggeschieht anonym, da einige Leserinnen und Leser darum gebeten haben. Insgesamt habe ich von Ihnen 61 Leserbriefe erhalten, die sich wie folgt einteilen lassen:

1. Gruppe: 27 Leserinnen und Leder finden Tätowierungen gesellschaftlich inakzeptabel

2. Gruppe: 19 Leserinnen und Leser räumen ein, dass es von der Situation, der Person und dem Tattoo an sich abhängt.

3. Gruppe: 15 Leserinnen und Leser halten Tattoo mittlerweile für gesellschaftsfähig und stören sich nicht daran

Hier einige Auszüge aus den Zuschriften, die die jeweiligen Stimmungsbilder repräsentieren. (Die Gruppen sind nach Gewichtung sortiert)

Gruppe 1)

"Tatoos erinnern mich an Kriegszeiten - bemalte Krieger, zur Tarnung bemalte Soldaten, KZ-Nummern zur Nazizeit - oder an Eigentumsmarkierung - Viehhaltung. (...) Als Imageberaterin rate ich in Bewerbungsgesprächen, Tatoos zu verdecken, Piercings zu entfernen. Wenn im entsprechenden Betrieb die Brandmarkungen und Körpermarkierungen akzeptiert werden, könnten diese zu einem späteren Zeitpunkt immer noch offiziell zur Schau getragen werden."

***

"Tattoos wirken immer noch auf den auf Schönheit geschulten Menschen wie ein Unterschichtphänomen. (...) Sie werden kaum gesellschaftsfähig sein. Es sei denn, man lässt Massen- und Niedergangsphänomene als gesellschaftsfähig gelten.“

***

"Solange Frau Wulff bloß Gattin eines Ministerpräsidenten war (zum Glück nicht meine Bundeslandes), wusste ich nichts über ihr Tattoo und es wäre auch uninteressant für mich gewesen. Nun aber repräsentiert sie mit ihrem Mann unser Volk, und somit auch mich. Und MICH stört so etwas empfindlich. (...) Es mag ein jeder nach seiner Fasson selig werden, aber leider passt die Fasson dann doch nicht überall hin, und man kann eben nicht alles machen, was man will, nur weil man oben steht."

***

"Unsere Körper sind von einem sehr großen Architekten gestaltet worden und ich habe noch keinen (Frauen-) Körper gesehen, der durch ein Tattoo tatsächlich verschönert worden wäre. Die ersten die Tattoos trugen waren meines Matrosen und Verbrecher. Es ist schade, dass sich dieser Trend schon so weit verbreitet hat.
"

***


"Tätowiert wurden früher Sklaven oder Strafgefangene. Ich weiß nicht, welche Botschaft diese Bemalung in einer freiheitlichen Demokratie vermitteln soll. Einzigartigkeit wohnt jedem Menschen inne und wird durch Persönlichkeit sichtbar."


Gruppe 2)

"Ich stehe Tattoos eigentlich aufgeschlossen gegenüber, weil ich es als eine Art der Körperkunst ansehe. (...) Die Körperstelle muss allerdings gut ausgesucht werden. Es wäre mehr als ärgerlich, wenn man aufgrund des Tattoos später nicht die Lehrstelle/Arbeitsstelle bekommt, die man möchte! Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance!"

***

"Bei offiziellen Anlässen ist es wichtig, dass das Tattoo verdeckt wird. Wenn unsere Polizisten, die ja den Deutschen Staat vertreten, ihre Tattoos verdecken müssen (was ich im Übrigen sehr wichtig finde), sollte auch unsere Bundespräsidenten-Gattin ihr Tattoo bei offiziellen Anlässen ihr Tattoo verdecken."

***

"Die Fragestellung ist nicht ob generell gesellschaftsfähig oder nicht. Anders: Sieht das Tattoo an der Dame gut aus, dann und nur dann ist es auch jetzt mittlerweile gesellschaftsfähig."

***

"Tattoos sind ja nach wie vor ein Zeichen von Geltungsbedürfnis und Ausprägung eines besonderen Egos und Egoismus. Dies passt nicht zu einer First Lady. Es gibt kleine und unauffällige Tattoos mit einer Bedeutung von Glück, Liebe, Verbindung, Freundschaft etc., diese kann ich noch respektieren."

***

"Wir waren am Wochenende baden und 3/4 der Frauen hatten Tattoos. (...) Heute komme ich mir ohne Tattoo schon besonders vor – und bin froh darüber. (...)Was Frau Wulff angeht sieht man, dass auch eine First Lady nur ein Mensch ist."

Gruppe 3)

"Ich finde das ganz in Ordnung, dass unsere First Lady zu ihrem Tattoo steht und nicht verzweifelt versucht, das irgendwie zu verbergen. Die Regierung unseres Landes untersteht einer Frau, ihr Vorgänger war drei Mal geschieden und der Vizekanzler ist homosexuell. Man kann also sagen, dass wir ein aufgeklärtes Land sind. Erzkonservativ dürfen unsere Politiker ruhig sein, wenn es um Themen wie Solidarität, Kündigungsschutz oder ähnliches geht, da ist diese Einstellung dann durchaus angebracht!"

***

"Sind Tattoos gesellschaftsfähig? Ja! Im 21. Jahrhundert sollten wir alle doch endlich gelernt haben, den Menschen die Freiheit zu lassen ihre Individualität ausleben zu dürfen. Zudem haben andere Menschen dadurch ja keinerlei Nachteile. Leben und leben lassen."

***

"Ein Tattoo darf in der heutigen Zeit kein Tabuthema mehr sein. Jeder hat ein Recht darauf mit seinem Körper zu machen was er möchte. Wer heute noch ein Tattoo noch mit Rockerbanden und Häftlingen gleichsetzt ist im neuen Jahrtausend noch nicht angekommen."

***

"Ich finde Tattoos schön, wenn sie schön sind, ich akzeptiere sie wenn die Leute, die sie tragen sie auch akzeptieren. Es ist eine Art von Kunst und jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung davon, was Kunst ist, was schön ist und was nicht. (...) Ja, auch ein Staatsrepräsentant darf ein Tattoo tragen. Es sagt nicht über seine Qualitäten aus. Aber selbst wenn das, was Sie geschrieben haben zutrifft: Querulanten, die Wilden, die Gesetzlosen... manchmal wünsch ich mir auch mal einen solchen Menschen. Einheitsbrei haben wir wirklich schon genug."

***

Moderne Etikette-Regeln und Tipps, wie Sie in jeder Situation eine gute Figur machen, habe ich hier für Sie bereitgestelt. Klicken Sie und laden Sie sich den neuen Ratgeber "Knigge 2010 - was ist neu, was ist veraltet?" auf Ihren Rechner.



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